© Tages-Anzeiger; 2002-02-07; Seite 65

Massimo Rocchi.

Medien
Massimo im Land der Kokosnüsse
STICHPROBE
Von Sabine Zaugg
 

Er habe den Verantwortlichen gesagt, er wolle als Massimo und nicht als Komiker reisen. Ob das wohl funktioniert? "Äuä". Wer das südindische Kerala, auch Land der Kokosnüsse genannt, mit einer weissen Baskenmütze bereist, seinen grossen Aluminiumkoffer in einem Ruderboot transportieren lässt und von der Stimme im Off als "schräger Vogel an Bord" bezeichnet wird, der ist und bleibt Massimo Rocchi, der Komiker.

Noch nicht ganz in Hochform

In der ersten Ausgabe von "Piccobello", der neuen Reisesendung von SF DRS, die am vergangenen Donnerstag ihre Premiere hatte, lief Rocchi zwar noch nicht ganz zu jener sprachlichen Höchstleistung auf, von der seine Bühnenauftritte leben. Immerhin: Es tut der Sendung gut, wenn er etwa vor einer Kokospalme steht und mit seinem italienischen Akzent feststellt: "Die hängen die Früchte aber auch hoch hier." Oder wenn er einem einheimischen Jungen zuschaut, wie er flink den Stamm hochklettert, um eine Nuss zu pflücken, und meint: "Unten wäre ich ziemlich viel schneller - wie Tomba la bomba."

Ohne Schleichwerbung

Die Erwartungen sind eben hoch, wenn Massimo Rocchi, Träger mehrerer Kleinkunst- und Theaterpreise, durch die neue Sendung des Schweizer Fernsehens führt. Trotzdem: "Piccobello" verdient seinen Namen. Die Macherinnen und Macher verwenden keinen einzigen Bildschnitt auf einen prospekttauglichen Sandstrand mit badenden Touristen und dahinter liegendem Hotelkomplex. Während der ganzen halbstündigen Sendung flimmern keine vermeintlich zufälligen Logos von Hotelketten über den Bildschirm, taucht kein Schriftzug einer Fluggesellschaft auf dem T-Shirt der Animatorin auf. Natürlich: Ganz ohne TV-Sponsor kommt auch diese Reisesendung nicht aus. Aber er wird diskret am Anfang und am Schluss eingeblendet, und damit basta. Damit hebt sich "Piccobello" deutlich von der im Reisejournalismus oft gefährlichen Nähe zur PR ab. Das allerdings darf das Publikum von einem öffentlichen Sender auch erwarten.

 

Filming Piccobello for Swiss TV SF DRS.

Erfreulich auch, dass der Berufstourist Rocchi nicht auf die Pfade des Pauschaltourismus geschickt wird, sondern mit dem Zug, dem Bus, dem Schiff oder auf dem Ochsenkarren reist und so stets in Tuchfühlung mit den Einheimischen bleibt. Dabei werden nicht nur faszinierende Landschaftsbilder gezeigt; auch das indische Alltagsleben, die Tradition und Mentalität, die Nöte und Sorgen der Bevölkerung haben Platz.
 

Weiter so! "Bissoguet"

Und: Wenn auch nicht ganz so virtuos wie in seinen Einmannstücken, Massimo Rocchi bleibt der schlagfertige, ironische Komiker mit den scharf beobachtenden Adleraugen. Wenn er, ganz der rasante Europäer, etwa die stundenlange zeremonielle Vorbereitung eines Kathakali-Tanztheaters zum Schluss kommentiert: "In dieser Zeit hätte ich schon gespielt, geduscht und wäre zu Hause", dann ist das alles zusammengenommen wirklich picobello.

Wir warten gespannt auf das, was uns Massimo Rocchi im Verlauf des Jahres über zehn weitere Weltgegenden (inklusive der Schweiz) zeigen wird. Nur die Sache mit dem Komiker, der keiner sein will . . ., "bissoguet".

 
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